Kultur am Elbhang ist nicht nur die erhabene Architektur der Schlösser und Villen sondern auch die Schönheit der Parks und Gärten und nicht zuletzt sind Weinstöcke Kulturpflanzen von besonderer Bedeutung:
Der Dresdener Weinbau

Christian Müller bewirtschaftet mit seiner Familie die zusammen 1,1 ha großen Weinberge am Lignerschloss und am Schloß Albrechtsberg. Grauer Burgunder ist eine der Sorten, die hier gut gedeiht.
Von Peter Redlich
Dresdner sind Genießer. Zum Genießen gehört freilich ein guter Tropfen
Wein. Diese Woche holen Dresdens Hobby- und Berufswinzer die letzten 2000-er
Trauben von den Reben.
,,Wir sind gerade fertig mit der Ernte", sagt Rolf Götze, der im
Hauptberuf Böttchermeister ist. ,,Der 2000-er Jahrgang wird ein Spitzenwein. Es
war warm und feucht Die Trauben konnten gut ausreifen." Vor allem kein
Mehltau. Die gefürchtete Traubenkrankbeit ist fern geblieben. 1999 sei auch ein
gutes Jahr gewesen, aber zuerst wegen der Menge. Götze: ,,Doch dem 99-er fehlt
die Säure, die den Geschmack und Haltbarkeit bringt." Rund 2000 Flaschen
hofft er mit seiner Familie abfüllen zu können.
Wie Götze bauen die meisten Dresdner Winzer Weißburgunder, Riesling,
Traminer und Müller-Thurgau an. So auch Christian Mül1er mit seinem Sohn Lutz
zwischen dem Lingnerschloss und Schloss Albrechtsberg. Müller: ,,Hier fließt
die Elbe so dicht wie fast nirgendwo. Das bringt gleichmäßige Temperatur und
reflektiert die Sonne - gute Weinanbaubedingungen. Vom Jahr 2000 werden wir
einen Prädikats-Tropfen bekommen." Das Besondere an Müllers
Pacht-Weinberg: Letztes Wochenende hat die Familie das erste Mal seit 130 Jahren
wieder Trauben am Albrechtsberg geerntet. In den nächsten zwei Jahren wollen
sie das über dem Weinberg thronende Kavaliershaus ausbauen und im Garten einen
Ausschank betreiben. Bis dahin ist auf Dinglingers Weinberg noch zwei Jahre
Pflege notwendig. ,,Erst dann werden wir die ersten richtigen Trauben ernten
können", sagt Caroline Hollenders, die mit ihrem Mann den brachliegenden
Weinberg des einstigen Hofjuweliers wieder aufgerebt und vor allem die
Sandsteinmauern repariert hat. Auf einer noch kleineren Fläche, etwa 1 200
Quadratmeter, pflegt Anke Herrmann in der Wachwitzer Winzergemeinschaft die
Reben. 400 Flaschen will sie in diesem Jahr abfüllen.
Einer der großen unter den vielen kleinen Dresdner Elbwinzern ist Klaus
Zimmerling. An der Rysselkuppe,. der Grenze zwischen Oberpoyritz und Pillnitz,
bewirtschaftet er mit seiner Familie seit 1992 viereinhalb Hektar. Bei ihm
wächst auch Kerner und Grauer Burgunder. 15000 Flaschen sollen es bei
Zimmerlings vom 2000-er Jahrgang werden. Der Winzer: ,,Das klingt viel. Aber
getrunken wird er fast ausschließlich in Sachsen." Genießer eben.
Kurze Übersicht zum Dresdener Weinbau:
Geschichte: 1161 wird in einer Schenkungsurkunde der Meißner Wein als
sächsischer Wein erwähnt. Am Dresdener Elbhang soll 1660 von Bediensteten des
Kurfürsten der erste Antrag zum Weinbau geschrieben worden sein.
Gebiete: Dresdener Weinbau – nach heutigen Stadtgrenzen – wurde neben den Hängen im Elbtal z.B. auch in Hellerberge, Goppeln und im Plauenschen Grund betrieben.
Ertrag: Die Dresdener Winzer rechnen in guten Jahren mit einer Flasche je Rebstock. Angebaut wird vor allem Weißwein, weil Rotwein so weit nördlich keine ähnlich gute Qualität erreicht.
Verkauf: Der Dresdener Wein wird zumeist in ausgesuchte Fachgeschäften, auf Stadtfesten und pivat getrunken. Die Qualitätsweine kosten etwa 15 bis 20 Mark je Flasche.
Quelle: Sächsische Zeitung vom 19.10.2000
JGL am 14.06.2001